Buchvorstellung: Christliche Singles. Wie sie leben, glauben und lieben

Tobias Künkler, Tobias Faix, Johanna Weddigen.

Christliche Singles. Wie sie leben, glauben und lieben.

Das Buch zu empirica Singlestudie. 254 S. SCM Verlag, Holzgerlingen 2020. €29,99 

 

Geschichtliche und Persönliche Lebensgeschichten

Über 3200 christliche Singles wurden über ihre Lebenszufriedenheit, Glaube und Sexualität etc. befragt. Das Buch legt vermutlich die umfangreichsten Ergebnisse für den (respektive) deutschen Raum vor. Grafisch top aufbereitet machen die drei Autoren auch vor Tabuthemen wie Partnerwunsch, Selbstbefriedigung und Homosexualität nicht halt. „Extremere“ Aussagen geben sehr persönliche Beispiele und helfen sich in die Welt des Singles hineinzuversetzen.

Blieb früher weiblichen Singles oft nur das Kloster, konnten Frauen ohne schützenden Familienverband überhaupt erst im 19. Jahrhundert als Lehrerin oder Erzieherin selbstständig sein. Männliche Junggesellen waren gesellschaftlich anerkannt(er) und durften beispielsweise alleine reisen.

 

Tabuisierung des Individuums?

Heutzutage schmerzt Singles oft proaktiv auf andere zugehen zu müssen, um nicht den sozialen Anschluss zu verpassen. Für gemeinsames Mittagessen oder Freizeitbeschäftigungen werden sie oft übersehen und nicht eingeladen. Man stellt Partnerlose in Predigten oft als inkomplett hin oder setzt sie für Aufgaben ein, vor denen sich andere zieren. Ihre Bedürfnisse (auch sexuelle) werden ignoriert oder bewusst ausgeblendet. Gebet ist oft die einzige Unterstützung, aber tatsächliche Begleitung und konkrete Hilfestellung für die Partnersuche fehlen. Besonders Urlaube und Krankenstände sind ein schweres Los. 

Der Wunsch nach Gemeinschaft mit Paaren, Kindern und anderen Singles ist groß. Es liegt an Gemeinden hier bewusst Angebote zu schaffen. Aber das Thema liegt nicht unmittelbar vor Augen, obwohl gesellschaftlich gesehen beinahe jeder zweite Single ist.

 

Wie soll der Partner sein?

Das Buch hilft sich tiefgreifende Gedanken zum Thema Partnersuche zu machen: 

Was suche ich selbst in einem Partner?

Glaube, gemeinsame (christliche) Werte, Humor, Bildung, gesundheitlicher Zustand, politische Ansichten, kompatible Zukunftsvorstellungen, auch Sport/Fitnessverhalten: alles auf ähnlicher Spur? Auch Aussehen und Attraktivität sind nicht zu vernachlässigende Faktoren.

 

Familie oder Karriere oder beides gleichberechtigt?

Wie versteht der/die andere die Bereiche Beruf, Karriere, Finanzen?

Weist er/sie ein eher traditionelles Rollenverständnis auf?

Die Umfrage bestätigt, dass Frauen oft Männer mit mindestens gleichwertigem Bildungsstand suchen, wohingegen Männer Frauen aus „mindererem“ bevorzugen. In christlichen Kreisen kann es für einen Mann abschreckend sein, wenn der Frau Karriere oder Beruf sehr wichtig sind. Allerding weisen die meisten Frauen (auch Christinnen!) heutzutage eine sehr gute Ausbildung auf und sie sollten unterstützt werden, ihre Talente zur Anwendung zu bringen. Gleichzeitig sehnen sich Frauen nach finanziell selbstständigen Männern, die in ähnlichen Hobbys aktiv sind. Ein Partner soll das Leben positiv ergänzen und die Lebenszufriedenheit nicht zum Negativen beeinflussen. Je länger jemand ohne Partner lebt, desto wichtiger ist der persönliche Freiraum.

 

Single ist nicht gleich Single!

Spannend ist auch die „Einteilung“ in acht verschiedene christliche Singletypen. 

Statistisch gesehen ist es beispielsweise in Deutschland so, dass sich mehr jüngere Singlemänner bei den Baptisten engagieren, wo aber eher ältere Singlefrauen beheimatet sind. Die Frage drängt sich auf, ob der Altersunterschied als Tabuthema stärker wirkt als der Wunsch nach gleichem christlichen „Stallgeruch“. Es gilt sich selbst herauszufordern, was für einen persönlich annehmbar ist und dementsprechend zu handeln.

Anmerkung HAG: Gerade in Österreich scheint es schwerer zu sein, jemanden in seinem eigenen Gemeindeumfeld oder -bund zu treffen. Aus diesem Grund startete HAG als überkonfessionelle Initiative.

 

Abschließendes

Die Singlestudie gibt Einsichten in Themen, über die man sich in dem Umfang vielleicht noch weniger Gedanken gemacht hat. Sie hilft anschaulich die eigenen Werte zu überprüfen und vielleicht für sich niederzuschreiben und diese im Gebet Gott neu anzuvertrauen. 

Wo werde ich bestätigt, wo kann ich mein Rollenbild anpassen oder aufbrechen? 

Vielleicht sind meine Ansichten oder einzelne Charaktereigenschaften Grund für meine Partnerlosigkeit? Woran kann ich arbeiten, damit ich mich selber wohler fühle und offenherziger auf das andere Geschlecht wirke? 

 

(c) Für uns gelesen von Verena Schnitzhofer, April 2020